Freitag, 1. Juni 2012

Besuch im Krankenhaus


Der heutige Morgen sah relativ vielversprechend aus, daher ging Roli gleich in der Früh ans Meer um dort seine ersten Züge im Meer (Golf von Thailand) zu machen. Das Wasser ist angenehm warm, also genau so, wie man es sich wünscht.

Michi ging nicht mit an den Strand, da sie seit Sonntagabend über Halsschmerzen klagt und nun seit gestern Nachmittag auch Fieber hat.

Zu Mittag sind wir in eine Standbar gegangen, aber nach einer Stunde ging Michi wieder zurück ins Zimmer, weil es ihr einfach nicht gut ging. Die Tabletten schlagen nicht wirklich an, denn trotz fiebersenkender Mittel und Antibiotika bleibt das Fieber konstant bei ca. 38,5 Grad. Nun, da wir hier im Tropengebiet sind, können sich jede Menge andere Krankenheiten als grippale Infekte tarnen, zumindest, wenn man dem Reiseführer Glauben schenken darf: zur Auswahl stehen u.a. Vogelgrippe, Malaria tropicana, Dengue Fieber, … such es dir aus, jede dieser Krankheiten wäre ein Desaster! Wie auch immer, beim Fieberhöchstwert von 39,2 Grad haben wir dann entschlossen, hier in Shianoukville in die CT Clinic zu gehen.

Mit dem Tuk-Tuk sind Roli und ich ins Krankenhaus gefahren, ich war so nervös: noch nie im Krankenhaus, nie etwas Schlimmes gehabt und auf einmal musst du in Kamboscha in ein Krankenhaus und machst dir Sorgen über Malaria & Co … die besten Voraussetzungen! Wir kamen also dort an und die Empfangsdame nahm uns gleich dran und ich konnte für 10 USD gleich mal mit dem Arzt sprechen. Dieser kam eigentlich gleich zu mir, obwohl dort noch einige andere Leute waren. Ich hatte absolut keine Wartezeit. Habe ihm also meine Probleme erklärt, er hörte zu und gab mir erstmal den Fiebermesser. Nachdem die Messung abgeschlossen war, meinte er ganz trocken: „39,2 – this is really hot!“ und dann meinte er, dass wir mal ein bisschen Blut abnehmen und schauen, ob man was von Malaria sieht. Mir wurde schon ganz anders: Blut abnehmen … er sah mir wohl an, dass mir das nicht so behagte und meinte von sich aus schon: „don’t worry, it’s all clean!“ und zeigte uns eine Original verpackte Nadel. Ich wurde gleich aufs Patientenbett verfrachtet und ein Angestellter kam um für’s Blut abnehmen alles vorzubereiten. Erst kontrollierte er den Blutdruck und dann gings los. Doch er nahm sich nicht die Ellbeuge, sondern stach vorne an der Hand rein. Wie ich da noch nicht wusste, bekam ich noch anschließend noch Infusionen. Die Blutabnehme spürte ich überhaupt nicht, sie ging ganz schnell und hat nicht eine blaue Stelle hinterlassen, das gibt’s nicht mal in Österreich! Das Stechen hat er wirklich erstklassig gemacht! Danach wurde die Infusion mit Ringerlösung angehängt und dann wurde mir auch schon ein erstes Antibiotikum gespritzt. Dann wurde ich eine Weile mir selbst überlassen, begann ziemlich zu schwitzen und eine Pflegerin brachte mir feuchte Tücher für Kopf und Brust und legte mir sie auf. Immer wieder wischte sie mir den Schweiß von Kopf, Händen und Körper. Dann kam der andere Pfleger wieder und spritzte mir fiebersenkendes Mittel in den Hintern. Da ich auf den Einstich nicht gefasst war, erschreckte ich ziemlich. Roli fürchtete schon, dass durch mein Zucken die Nadel abgebrochen war … was aber zum Glück nicht so war! Wir hatten inzwischen schon die Vermutung, dass es sich wohl um Malaria handeln dürfte, so umsorgt wie ich wurde. Als die erste Infusion dem Ende zu ging, schickte der Arzt Roli um was zu essen für mich und in der Zwischenzeit bekam ich auch noch 4 Tabletten verabreicht. Zudem gab’s eine weitere Flasche der Ringerlösung. Roli kam zurück mit Baguette, Keksen und gekühlten Getränken. Man kann es sich nicht vorstellen, aber jede/r der Angestelle/n kam zu mir und erklärte mir (wieder), dass ich nichts Kaltes mehr trinken dürfte. Und die Kekse, die Roli besorgt hatte, wären auch nicht so gut für mich. Zum Glück hatten wir noch warmes Wasser dabei J Inzwischen waren auch die Ergebnisse da, ich habe KEIN Malaria und kein Dengue Fieber, es kommt alles von einer Infektion der Bronchien. Puh, nochmal Glück gehabt! Nach einiger Zeit war dann auch die zweite Flasche leer und es ging wieder ans Fiebermessen: 36,1 Grad … wow … 3 Grad gesenkt … und ich fühlte mich wirklich auch schon deutlich besser. Mit dem hätte ich nicht gerechnet, als ich die Klink betreten hatte.  Zum Abschied hab ich noch 4 verschiede Tabletten bekommen, die ich zum Teil drei Mal täglich nehmen darf, aber sie helfen, immerhin! Jetzt gings ans Zahlen: wie hoch würde die Rechnung sein? Wir hatten keine Idee, was das kosten wird … schlussendlich zahlte ich 95 USD, was war ein ganzen Happen ist, aber ich hätte durchaus mit mehr gerechnet.

Die Klink selbst war wie man es sich vorstellt: die Praxis ist im vorderen Teil eines Wohnhauses untergebracht. Wie hier so üblich, ist die vordere Hausfront komplett offen und wird im Falle des Falles wohl nur mit einem Rollladen geschlossen (Klink hat 24 Std. Aufnahme). In der Klink gabs vier oder sechs Betten, die nicht mal räumlich getrennt sind. Es ist alles sehr spärlich eingerichtet und an den Wänden haben wir Eidechsen gesehen (gibt’s hier überall an den Wänden von Zimmern, die nach außen offen sind). Das Personal war sehr freundlich und bemüht, es einem so angenehm wie möglich zu machen. Auch sprachliche Probleme gabs im Grunde nicht, einzig die Pfleger sprechen alle relativ leise, sodass man sehr genau zuhören musste. Obwohl ich am Anfang doch eher ängstlich hingegangen bin, hatte ich dort dann schon ein gutes Gefühl.  Und naja um ein Erlebnis bin ich auch reicher als so mach anderer: denn, wer kann schon von sich sagen, mal in einem kambodschanischen Krankenhaus gewesen zu sein?!?

Als wir zurück ins Hotel kamen haben wir für eine Nacht verlängert, sodass wir, falles noch was auftritt, wieder zum selben Arzt gehen können.

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